Deutsch Abiturprüfung

In meiner mündlichen Abiprüfung in Deutsch kam gestern die Kunstauffassung von Georg Büchner dran, mit Bezügen zu Friedrich Schiller und Don Carlos… Ja ich war auch ein wenig geschockt, das so ein Thema in der DEUTSCHprüfung drankam. Hatte mich auf die Bücher natürlich am meisten vorbereitet die wir gelesen haben, dass dann hauptsächlich der Idealismus von Büchner und Schiller dran kam verknüpft mit ihren politischen Ansichten hat mich dann schon etwas enttäuscht.

In einer halben Stunde musste ich 3 Aufgaben zu dem Textauszug von Lenz interpretieren und vergleichen und dazu noch einen kurzen Text von Schiller lesen und interpretieren.

In dieser halben Stunde hatte ich wirklich Schweißausbrüche, ich kam zuerst überhaupt nicht mit dem Text klar, ich hab 15 Minuten allein gebraucht um ihn zu verstehen und zusammenzufassen (in kleinen Stichwörtern am Rand natürlich nur), dann hatte ich noch weitere 15 Minuten, um die anderen beiden Aufgaben zu machen. Eigentlich bleibt einem gar nicht übrig wirklich nachzudenken, man muss entweder sofort wissen, was die Lehrer von einem verlangen oder man schafft die Aufgaben nicht in der Zeit. Das hat mich wirklich sehr unter Druck gesetzt und zufrieden war ich ganz und gar nicht, als ich zu den 3 Prüfern ins Zimmer ging.

Die haben mich zwar alle sehr nett begrüßt, aber ich war einfach zu unsicher, hab mich leider auch ein paar Mal verhaspelt und mehr als einmal einen Satz von mir gegeben, der in meinem Kopf absolut keinen Sinn ergibt. Meine Franzsösischlehrerin war zum Glück da, sie unterrichtet ja auch Deutsch, und hat mich immer wieder angelächelt und mit dem Kopf genickt, wenn ich etwas gesagt habe. Das hat mir sehr geholfen und mich auch ein wenig bestärkt in dem was ich sage. Morgen werde ich dann nachmittags meine Note erfahren, darauf bin ich mal gespannt, ich kann es nämlich absolut nicht einschätzen.

Das waren so ungefähr die beiden ersten Aufgaben:

Analysieren und interpretieren Sie das Kunstgespräch aus Georg
Büchners Novelle „Lenz“ (1835/36).
Beurteilen Sie, inwieweit der Autor Büchner der von Lenz hier formulierten
Kunstauffassung in der Gestaltung seines Protagonisten
folgt.
Beziehen Sie diese Aussagen auf “Woyzeck”.

(Diese Fragen habe ich übrigens im Internet bei einem Deutsch LK gefunden, ich hab Deutsch GK…)

Das hier ist ein Teil meines Quelltext, den Rest habe ich leider nicht gefunden:

Über Tisch war Lenz wieder in guter Stimmung:
man sprach von Literatur, er war auf seinem Gebiete. Die idealistische Periode1 fing damals an;
10 Kaufmann war ein Anhänger davon, Lenz widersprach heftig. Er sagte: Die Dichter, von
denen man sage, sie geben die Wirklichkeit, hätten auch keine Ahnung davon; doch seien sie
immer noch erträglicher als die, welche die Wirklichkeit verklären wollten. Er sagte: Der liebe
Gott hat die Welt wohl gemacht, wie sie sein soll, und wir können wohl nicht was Besseres
klecksen; unser einziges Bestreben soll sein, ihm ein wenig nachzuschaffen. Ich verlange in
15 allem – Leben, Möglichkeit des Daseins, und dann ist’s gut; wir haben dann nicht zu fragen,
ob es schön, ob es häßlich ist. Das Gefühl, daß, was geschaffen sei, Leben habe, stehe über
diesen beiden und sei das einzige Kriterium in Kunstsachen. Übrigens begegne es uns nur
selten: in Shakespeare finden wir es, und in den Volksliedern tönt es einem ganz, in Goethe
manchmal entgegen; alles übrige kann man ins Feuer werfen. Die Leute können auch keinen
20 Hundsstall zeichnen. Da wollte man idealistische Gestalten, aber alles, was ich davon
gesehen, sind Holzpuppen. Dieser Idealismus ist die schmählichste Verachtung der
menschlichen Natur. Man versuche es einmal und senke sich in das Leben des Geringsten
und gebe es wieder in den Zuckungen, den Andeutungen, dem ganzen feinen, kaum
bemerkten Mienenspiel; er hätte dergleichen versucht im ‘Hofmeister’ und den ‘Soldaten’2. Es
25 sind die prosaischsten Menschen unter der Sonne; aber die Gefühlsader ist in fast allen Menschen
gleich, nur ist die Hülle mehr oder weniger dicht, durch die sie brechen muß. Man muß
nur Aug und Ohren dafür haben…

~ von kleeblatt am Juni 4, 2008.

Einen Kommentar schreiben