Gedankenleser im Kreuzverhör
Eine Erörterung der Problematik Metzingers.
In dem Text Gedankenleser im Kreuzverhör von Thomas Metzinger werden die möglichen Konsequenzen behandelt, die aufkommen könnten, wenn die Wissenschaft soweit ist, Gedanken durch Maschinen lesbar zu machen.
Nach Thomas Metzinger ist es lediglich eine Frage der Zeit, bis es Wissenschaftlern gelingen wird, die Gedanken lesen zu können, er warnt davor, dass man jetzt schon darüber nachdenken muss.
Metzinger führt einige Wege auf, die Gedanken mittels maschineller Hilfe zu ermitteln und zu deuten, doch keine dieser Geräte, sagt er, sind schon so weit, wirklich zu lesen, was in einem Menschen vorgeht, da sie noch immer ausgetrickst werden können. Sie beruhen alle auf dem Fakt, dass es einem Menschen irgendwie ablesbar sein muss, wenn er vorsätzlich lügt und sich dieser Tatsache bewusst ist.
Am meisten am Erfolg dran ist seiner Meinung nach die Methode „Brain Fingerprint“, dabei werden Probanden mit verschiedenen Gegenständen vertraut gemacht, diese sollen sie später wieder erkennen, während ihnen zusammenhangslos irgendwelche Gegenstände gezeigt werden, unter denen sich auch die Wiederzuerkennenden befinden. Am Erregungsmuster des Gehirns soll dann abgelesen werden, ob die Testpersonen diese Gegenstände schon einmal gesehen haben.
Thomas Metzinger stellt zu dieser Methode die Fragen, ob sie überhaupt zur Wahrheitsfindung eingesetzt werden dürfte und ob sie vor Gericht als Beweis ethisch vertretbar wäre. Ganz nach dem Motto „Der Körper lügt nicht“ erfand Lawrence Farwell diese Methode und spricht von einer fast 100% Erfolgsrate, zu der er allerdings allein durch eigene Test kam. Doch Thomas Metzinger spricht an, dass das „Brain Fingerprinting“ sehr wohl fehlerhaft ist, wenn Probanden sich bei einem ihnen unbekannten Gegenstand an eine sehr starke Erinnerung denken, schlägt das Gehirnmessgerät aus, als ob es den Gegenstand erkennen würde. Vor allem sei es aber nicht ansatzweise zu 100% fehlerfrei, da unter anderem geistig Behinderte oder Drogenabhängige Erinnerungen fehlerhaft speichern und auch verzerrt wieder abrufen und somit ihre Erinnerung nicht der Wahrheit entspricht, sie dies allerdings glauben.
Zu Metzingers Frage, ob das „Brain Fingerprinting“ als Beweismittel vor Gericht zulässig sei, bringt er ein Beispiel, dass es in Amerika schon einen Freispruch gab, aufgrund dieser Methode, da der Verhaftete, der schon jahrelang im Gefängnis gesessen hatte, wichtige Objekte, die nur dem Täter bekannt sein konnten, nicht wiedererkannte.
Allerdings ist es sehr schwierig die gewonnen Daten auszuwerten, da sich das Gehirn eines Menschen im Laufe der Zeit verändert und man auf Gegenstände trotzdem vertraut reagieren kann, obwohl man sie nicht kennt, sie einen aber an etwas anderes, sehr vertrautes erinnern können.
Doch die wichtigste Frage für Metzinger ist weiterhin nicht eine die darauf basiert, dass diese Forschungen schon funktionieren und ob man sie einsetzen darf, sondern wie die Menschheit überhaupt auf einen so gigantischen wissenschaftlichen Fortschritt reagieren soll. Auf jeden Fall steht für ihn fest, dass der Begriff Privatsphäre neu definiert werden müsse. Der Mensch würde auf einmal nahezu undurchsichtig werden und ihm würde jeglicher Schutzraum genommen, den man sich allein durch die Tatsache aufbaut, dass man ohne es anders beweisen zu können lügen könnte.
Man kann folglich die positiven Seiten dieses Fortschrittes sehen, dass z.B. Politiker in ihren Wahlreden nicht mehr bewusst lügen könnten und Wahlversprechen geben, die sie nicht vorhaben einzulösen. Allerdings gibt es viel mehr Nachteile, unter anderem könnten Arbeitgeber ohne Probleme herausfinden, ob eine Frau lügt, dass sie nicht schwanger ist oder ob ein anderer lügt, dass er kein Aids hat und der Arbeitgeber könnte dann diese Menschen, unter Angabe anderer Gründe nicht einstellen.
Es würde wahrscheinlich eine zeitlang dauern, bis es Gesetze gäbe, die es verbieten solche Lügendetektortest durchzuführen, da es genauso lange gedauert hat, bis es Arbeitgebern offiziell verboten wurde, nicht nur die Routineuntersuchung am Blut eines potentiellen Bewerbers durchzuführen, sondern auch seine Gene etc. zu testen, um herauszufinden, ob er z.B. eine Krankheit trägt, die ihn nur weitere 10 Jahre arbeitsfähig macht.
Matzinger führt das weitere Problem an, dass sich Geheimdienste solche Lügendetektoren zu nutzen machen könnten, sie insgeheim weiter entwickeln könnten und auch so Menschen durchleuchten könnten, die gar nichts davon wissen.
Das Gedankenlesen ist seit Urzeiten ein Mysterium, dass Menschen fasziniert, aber auch beängstigt. Immer wieder gibt es Personen, die von sich behaupten Gedanken lesen zu können und dies in Fernsehsendungen wie „Der Gedankenleser“ (im April 2005 auf Sat. 1 erschienen) oder „The next Uri Geller“ (ab Januar 2008 auf Pro7 gewesen) unter Beweis stellen, glauben kaum Menschen so wirklich an solche Fähigkeiten, gerade dadurch, weil es keine wissenschaftlich bestätigen Beweise gibt.
Dagegen spricht das Patent, dass erst im Oktober 2007 von dem Konzern Microsoft eingereicht wurde, der das Gedankenlesen beanstandet. Laut Antrag haben Wissenschaftler von Microsoft es geschafft, „mit der Filtermethode zuverlässig aus Messdaten Nutzerreaktionen auf die Software wie “Überraschung, Befriedigung und Frustration” abzuleiten“ (Spiegel Online 25. Oktober 2007). Dadurch wolle Microsoft die Anwendung ihrer Programm vereinfachen und sich individuell auf den Nutzer einstellen. Ein ausgereiftes Programm solle dann jeden Computernutzer mit Hilfe von bestimmten Gehirnstrommessgeräten, die er bei jeder Nutzung anschließen müsste, ausarbeiten, wann der Benutzer bei welchen Anwendungen Überraschung, Befriedigung und Frustration ausstrahlt und sich so nach dessen Wünschen selbst programmieren.
Meiner Meinung nach sind solche Fortschritte nicht zu unterschätzen, genauso wie Metzinger denke ich, dass es nur noch eine Frage der Zeit ist, bis es dem Menschen möglich ist die Gedanken zu lesen. Dies wird allerdings den Menschen sehr stark einschränken, denn wie soll man fähig sein, sein normales Leben weiterzuführen, immer mit der Befürchtung im Hinterkopf, dass die Gedanken gelesen werden könnten? Wenn ich mir vorstelle, dass jede Person sofort wissen würde, was ich über sie denke oder jeder Lehrer wissen würde, dass die Schüler keine Ahnung von seiner Frage haben, dann würde ich nahezu Angst bekommen überhaupt zu denken. Denn Lügen gehören zum Leben einfach dazu. Ich spreche nicht von drastischen Lügen, die Leben kaputt machen, sondern von kleinen Notlügen, die uns oft gar nicht richtig bewusst sind. Schließlich lügt ein Mensch durchschnittlich bis zu 200 Mal am Tag. Außerdem stellt sich mir dann auch die Frage, wie Menschen in Zukunft Vertrauen und Sicherheit zueinander aufbauen wollen. Natürlich gibt es oft Zwickmühlen in denen man gezwungen ist anderen zu glauben was sie sagen, weil man es nicht nachprüfen kann, aber ist das nicht etwas sehr positives? Das man sozusagen zum Vertrauen gegenüber anderen gezwungen wird. Mit Lügendetektoren weiß man sofort, ob der Gegenüber die Wahrheit sagt oder nicht, ein wichtiger Grundstein, das Vertrauen ist allen Beziehungen dann also genommen. Auch wenn es manchmal sicher leichter wäre, z.B. bei Gerichtsverfahren eindeutig zu wissen, wer nun die Wahrheit sagt, wäre eine solcher Fortschritt sicher keine Erleichterung.
Letztendlich kann ich sagen, dass ich lieber ein „Es war nett Sie kennen zulernen“ hören, als ein „Ich weiß Ihren Namen schon nicht mehr“ und es einfach manche Situationen gibt in denen ich die Wahrheit gar nicht wissen will.

[...] Vielleicht klappt es dann doch noch mit der Freundschaft und er erklärt mir seine Texte einfach selbst. Und es gibt schließlich Texte von Metzinger die ich verstehe und vorallem auch mag. [...]